Die Geschichte des
St. Rochusfriedhofs

Der St. Rochusfriedhof liegt im Stadtteil Gostenhof an der Rothenburger Straße und wird gemeinsam mit dem St. Johannisfriedhof von der evang.-luth. Friedhofsverwaltung geführt. Seine einzigartige Kombination von historischen Sandsteinen im vorgeschriebenen Maß drei auf sechs Werkschuh (84 cm x 167 cm) mit den metallenen Namenstafeln, den sog. Epitaphien, stellt heute die Stadtgeschichte Nürnbergs wie ein Bilderbuch dar. Die für die Lorenzer Stadtseite typischen Handwerksberufe finden in den Epitaphien mit der Darstellung ihrer Handwerksgeräte und -zeichen ihren Ausdruck. So sind hier über 90 Berufe in den Grabinschriften verewigt. Doch nicht nur Handwerker wie z.B. Peter Vischer, sondern auch der Komponist Johann Pachelbel oder „der Henker von Nürnberg“ fanden hier ihre letzte Ruhestätte.

historisches Foto des Rochus Friedhofs

Im Mittelalter lagen die Friedhöfe Nürnbergs, wie damals üblich, um die großen Kirchen innerhalb der Stadtmauern. Die durch die verschiedenen Pestwellen unzumutbar gewordenen hygienischen Zustände auf den Friedhöfen führten zum Erlass des Kaisers Maximilian I vom 31. Oktober 1518, wonach nur noch außerhalb der Stadtmauern bestattet werden durfte. Konnte die Sebalder Stadtseite damals auf den schon bestehenden Siechenfriedhof im Dorf St. Johannis zurückgreifen, musste für die Lorenzer Stadtseite ein neuer Friedhof angelegt werden. Nicht weit vom Spittler Tor entfernt wurde 1518 ein Grundstück mit einer Sandsteinmauer eingefriedet und ein Jahr später geweiht. Die Familie des Patriziers Konrad Imhoff (1463 – 1519) stiftete den Bau einer Kapelle, den der Baumeister Paul Behaim ausführte. Nach kurzer Bauzeit wurde die Kapelle 1521 dem, nur im Volksmund heiligen, Rochus von Montpellier geweiht. Die Verehrung des Rochus von Montpellier war zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Italien absolut en vogue und wurde durch die Handelsverbindungen  der Familie Imhoff über die Alpen nach Deutschland gebracht.

Der Friedhof erfuhr drei Erweiterungen und ist seit 1598/99 in seiner damaligen Form erhalten. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Westseite der Kapelle stark beschädigt und das Hofmeisterhaus, Sitz der Friedhofsverwaltung, sowie das Totengräberhaus durch Bombeneinschläge vollständig zerstört. Ebenso fiel die Aussegnungshalle von 1854 den Bomben zum Opfer und konnte erst 1954 wieder aufgebaut werden. Bis heute finden auf dem Friedhof Bestattungen statt.

Rochuskapelle Nürnberg

Rochuskapelle

Der gewölbte Sandsteinquaderbau hat einen 5/8 Chor, eine angebaute Sakristei an der Nordseite und ein einschiffiges Langhaus. Der Hauptaltar stammt von 1521 und ist mit einem Figurenschrein (Rochus, Sebastian und St. Martin) in Frührenaissance-Form ausgestattet. Die Altarflügel zeigen Szenen aus dem Leben des Heiligen Rochus, gemalt von Wolf Traut (1486 – 1520) und seiner Schule. Außerdem findet man noch den nördlichen Seitenaltar, den Katharinenaltar von 1622, gestaltet von einem unbekannten Künstler, und den südlichen Seitenaltar, den Rosenkranzaltar von 1522, eine Arbeit der Frührenaissance mit Malereien von Hans Burgkmair und Schnitzarbeiten von Sebastian Loscher. Neben Gemälden und Epitaphien sind die Glasmalereien von Veit Hirsvogel d. Ä. (1461- 1526) ein weiteres Schmuckstück.

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Holzschuher Kapelle auf dem St. Johannis Friedhof Nürnberg

Militärfriedhof

An den St. Rochusfriedhof  grenzt im Westen ein Militärfriedhof an, ein Relikt aus der Zeit, in der Nürnberg Garnisonsstadt war.

Er geht zurück auf eine Schenkung des Nürnberger Stadtlieutenants und Rotbierbrauers Lorenz Schmiedlein. Im Mai 1693 kaufte das reichsstädtische Kriegsamt im Sinne des Stifters das lang gezogene Geländedreieck zwischen dem St. Rochusfriedhof und den Befestigungswällen aus dem 30jährigen Krieg (heute Imhoffstraße) und noch im Herbst desselben Jahres wurde der Soldatenfriedhof eingeweiht. Sozialer Hintergrund war, den schlecht bezahlten Soldaten und ihren Familien eine günstige Möglichkeit für deren Begräbnisse zu geben. Auch nachdem Nürnberg 1806 bayerisch wurde, blieb der Friedhof als soziale Einrichtung bestehen. Es gab keine Grabgebühren, nur das ortsübliche Entgelt für Militärtotengräber. Die Kapazität des Friedhofs betrug 550 Gräber, die Belegungsdauer, „Umtriebszeit“ genannt, 10 Jahre. Im Ersten Weltkrieg reichte der kleine Friedhof für die Vielzahl der Gefallenen nicht mehr aus, weshalb auf dem Südfriedhof ein neues Gräberfeld für Soldaten geschaffen wurde. Im Jahre 1918 fanden die letzten Beisetzungen statt. Nach der Auflösung der Bayerischen Armee im Jahre 1919 wurde der alte Militärfriedhof geschlossen. Die Stadt Nürnberg erwarb am 4. März 1924 das Gelände mit allen Rechten und Pflichten.

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Friedhöfe St. Johannis und St. Rochus